Zum Inhalt springen
ARC1® GmbH − Architekten & Ingenieure
+49 351 655668-64Erstgespräch buchen

Holzbau & Innovation

6.000 Jahre Holzbau – und warum Sachsen dabei eine Hauptrolle spielt

Von den Pfahlbauten am Bodensee über Christoph & Unmack bis Konrad Wachsmann: warum Sachsen in der Geschichte des Holzbaus eine Hauptrolle spielt.

Richard Gunkel
Richard Gunkel
Geschäftsführer, ARC1® Architekten
Veröffentlicht: 2 Min. Lesezeit
Rekonstruierte Pfahlbauten im Freilichtmuseum Unteruhldingen am Bodensee

Holz gilt heute als Baustoff der Zukunft. Dabei ist er der älteste, den wir kennen. Die Geschichte des Holzbaus führt von Pfahldörfern der Jungsteinzeit über die größte Holzbaufabrik Europas in der Oberlausitz bis zu einem Architekten, der mit Albert Einstein befreundet war und das vorgefertigte Bauen weltweit geprägt hat. Ein kurzer Streifzug – und warum wir uns dieser Tradition verpflichtet fühlen.

Am Anfang war der Pfahl

Vor rund 6.000 Jahren ließen sich an den Seen rund um die Alpen die ersten sesshaften Bauern nieder und bauten ihre Dörfer auf Holzpfählen ans Wasser. Diese Pfahlbausiedlungen entstanden zwischen etwa 5000 und 500 v. Chr. Seit 2011 gehören 111 Fundstellen in sechs Ländern als „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“ zum UNESCO-Welterbe.

Im Freilichtmuseum Unteruhldingen am Bodensee werden seit 1922 Häuser aus Stein- und Bronzezeit rekonstruiert. Möglich ist das, weil sich das Holz der Originalbauten unter Luftabschluss im Seegrund über Jahrtausende erhalten hat. Holzbau ist damit eine der ältesten Konstruktionsweisen der Menschheit.

Holzsteg und reetgedecktes Pfahlhaus am BodenseeNeubau des Pfahlbaumuseums Unteruhldingen

Dann kam die Industrie

Anfang des 20. Jahrhunderts stand die größte Holzbaufabrik Europas nicht in Skandinavien, sondern in der Oberlausitz: Christoph & Unmack in Niesky. Das Unternehmen übertrug um 1900 die Prinzipien des vorgefertigten Barackenbaus auf dauerhaft bewohnte Häuser – Wandtafeln aus der Fabrik, montiert auf der Baustelle.

Allein in Niesky entstanden vier Werks- und Mustersiedlungen mit 317 Wohnungen in 114 Häusern. Was wir heute Vorfertigung nennen, wurde hier vor über 100 Jahren industriell erprobt.

Sichtbare Holzkonstruktion des Dachtragwerks im Pfahlbaumuseum

Ein Architekt, der die Welt veränderte

1926 kam ein junger Architekt namens Konrad Wachsmann nach Niesky und stieg bei Christoph & Unmack zum Chefarchitekten auf. 1927 errichtete er das Direktorenhaus, einen klaren, kubischen Blockbau – seinen einzigen bekannten Bau in dieser Bauweise. 1929 baute er das Sommerhaus für Albert Einstein in Caputh bei Potsdam. Beide sind die einzigen erhaltenen Holzbauten Wachsmanns in Deutschland.

Mit Einsteins Hilfe emigrierte Wachsmann 1941 in die USA. Dort entwickelte er gemeinsam mit Walter Gropius vorgefertigte Holzhaussysteme und lehrte Konstruktionsprinzipien, die das industrielle Bauen international beeinflussten. Das Direktorenhaus in Niesky ist heute als Konrad-Wachsmann-Haus ein Zentrum für modernen Holzbau.

Konrad-Wachsmann-Haus in Niesky, Ansicht von der GartenseiteKonrad-Wachsmann-Haus in Niesky mit Terrasse

Wo wir anschließen

Wir planen in Sachsen, gut 100 Kilometer von Niesky entfernt, und fühlen uns dieser Tradition verpflichtet: Holz als Material, Vorfertigung als Methode, Ingenieurskunst als Anspruch. Mit modernem Holz-Ingenieurbau, digitaler Planung und einem integrierten Brandschutz führen wir fort, was hier begonnen hat.

Sie denken über ein Projekt in Holz nach?

Erfahren Sie mehr über unsere Leistungen im Holzbau.

Holzbau & Innovation

Quellen

  • Pfahlbaumuseum Unteruhldingen, Museumsinfo
  • Schwäbische Heimat: UNESCO-Welterbe Pfahlbauten
  • Goethe-Institut: Pfahlbauten Unteruhldingen
  • ERIH: Konrad-Wachsmann-Haus Niesky
  • Landesamt für Denkmalpflege Sachsen: Das Konrad-Wachsmann-Haus
  • sdg21: Werks- und Mustersiedlung Niesky
  • modernism-in-architecture.org: Konrad Wachsmann
  • Universität Innsbruck: Holzhäuser der Moderne
Alle Beiträge